Veganz – Wir lieben Shopping?!

Endlich, endlich, endlich – Hamburg hat es geschafft und die nächste Stufe auf dem Weg zur gänzlichen Veganisierung erreicht! Klatscht in die Hände, wir haben einen veganen Supermarkt. In Altona gibt es jetzt eine Filiale des Veganz – wir lieben Leben.

Selbstdarstellung

Auf der Internetseite stellt sich das Unternehmen wie folgt vor:

Veganz -Wir lieben Leben- ist die erste vegane Vollsortiment-Supermarktkette Europas.

Der erste Veganz-Markt eröffnete im Sommer 2011 in Berlin Prenzlauer-Berg.
2013 hat noch ein weiteren Berliner Standort in Friedrichshain eröffnet.
Auch Frankfurt am Main und Hamburg haben wir mit Veganz-Märkten bereichert.

Das rein pflanzliche Sortiment umfasst 6.000 Produkte von über 200 Lieferanten aus 30 Ländern weltweit. Die fair gehandelten Produkte, die frei von tierischen Inhaltsstoffen sind, ergänzen nicht nur den Speiseplan von Veganer_innen. Jede_r ist bei Veganz -Wir lieben Leben- herzlich willkommen!
Der Bioanteil der Produkte liegt bei über 90 Prozent.
Die Vielfältigkeit der veganen Lebensmittel ist einzigartig.
In jedem Veganz-Markt befindet sich eine riesige Kühlzelle mit einer in Europa einmaligen Auswahl an Fleisch-, Wurst- und Fischalternativen, 80 Käsealternativen und pflanzlichem Eis. Das „Milch“regal bietet 45 schmackhafte pflanzliche Varianten. Darüber hinaus gibt es in jedem Veganz -Wir lieben Leben- eine gut ausgestattete Kosmetikabteilung, Reinigungs- und Hygieneartikel, Tiernahrung und jede Menge Süßes wie Schokolade, Riegel und Kekse.
Für Rohköstler_innen und Menschen mit Glutenunverträglichkeit bietet Veganz eigene Abteilungen an. Viele Allergien werden im Produktsortiment berücksichtigt.

Veganz -Wir lieben Leben- heißt Achtung, Respekt und Verantwortung gegenüber allen Menschen, Tieren und der Umwelt. Über die Nahrung möchten wir möglichst viele Menschen für ihr Handeln in Bezug auf andere Lebewesen, der Umwelt und ihrer eigenen Gesundheit sensibilisieren.

In den nächsten drei Jahren möchten wir uns durch Europa „veganzen“. 2013 entstehen noch vier Märkte in Wien, Prag, München und Leipzig. Bis Ende 2015 soll es europaweit 21 Filialen geben.

Veganes Vollsortiment oder Konsum-Overkill?!

Obst und Gemüse gibt's auch
Obst und Gemüse gibt’s auch

Beim letzten Hamburg-Aufenthalt habe ich zweimal den Weg von Barmbek aus nach Altona auf mich genommen, um mir einen Eindruck vom Laden zu verschaffen und ein wenig Shoppen zu gehen. Denn was uns sonst immer so schwer gefallen ist – in einem Laden bedenkenlos einfach ALLES in unsere Körbchen legen zu können, macht das Veganz endlich möglich. Willkommen im Shoppinghimmel. Nicht nur frische Lebensmittel,Rohköstlichkeiten, Trockenprodukte,  Bücher und Getränke – auch Kosmetik, Haushaltsgegenstände, Reinigungsmittel und und und. Ich bin überwältigt und verbringe für ein Bisschen Schokolade, Vegan-Käse und Salatsoße fast eine ganze Stunde in dem kleinen Geschäft.

Hooray - TK Pizza
Hooray – TK Pizza

Was es da nicht alles gibt… die Auswahl an Ersatzprodukten erschlägt mich regelrecht. Vegane Garnelen, veganes Steak, veganer Käse, vegane Wurst, veganer Kuchen, veganes Eis… ja sogar vegane Tiefkühlpizza mit verschiedenen veganen Käsesorten und sowas wie Schinken. Allein wenn ich das schreibe wird mir schlecht.

Jetzt muss ich mein "Nutella" auch nicht mehr selbst machen
Jetzt muss ich mein „Nutella“ auch nicht mehr selbst machen

Endlich ist es auch der Bevölkerungsgruppe, die ihren Konsum immer krititsch überdenken musste, möglich, nicht mehr zu denken sondern einfach einzukaufen. Hooray. Klatscht nochmal in die Hände. Und nochmal.

SRY – oder auch nicht.

Vielleicht sehe ich das ja aber auch einfach zu extrem und sollte mich darüber freuen, dass man es uns immer einfacher machen will, dass Vegan-Leben seinen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft findet und Argmente, wie schwierige Nahrungsbeschaffung oder zu viel Zeitaufwand zum Kochen jetzt nicht mehr ziehen („Hey, guck mal  – TK Lasagne, bestimmt ohne Pferdefleisch!“).

immerhin: Infoflyer zu aktuellen (vegan) politischen Themen und von anderen veganen Ess-Optionen in HH gibt es auch
immerhin: Infoflyer zu aktuellen (vegan) politischen Themen und von anderen veganen Ess-Optionen in HH gibt es auch

Ob ein Supermarkt die vegane Grundidee vorwärts bringt… fraglich. Aber einen Versuch ist es ja wert. Wer jedoch immer argumentierte, dass es nicht teuer sei, sich so zu ernähren, kann seine Argumentation beim Veganz über Bord werfen. Großpackungen zB. mit Sojajunks oder „Schnitzel“ sind hier zwar günstiger als im Bevegend oder beim Bioladen; Kühlware und Süßigkeiten hingegen deutlich kostenintensiver.

Ich weiß noch nicht, was ich von dieser Entwicklung halten soll. Es gibt sicher auch viele Argumente, die DAFÜR sprechen. Die „Werte“ des Veganz sind durchaus positiv, da kann man nichts gegen sagen.

Veganz -Wir lieben Leben- heißt Achtung, Respekt und Verantwortung gegenüber allen Menschen, Tieren und der Umwelt.

Im Endeffekt musst du dich selbst entscheiden. Genau wie beim Essengehen – nur in Läden, die ausschließlich Veganes anbieten, oder seind Restaurants mit veganen Angeboten bzw. veganisierbaren Gerichten auch ok?

  • Linde Muh

    komm mal bitte klar!

  • L

    „komm mal bitte klar!“? Kaufen, Fressen, Glücklich sein? Wieso sollte man so etwas nicht hinterfragen? Vegan heißt frei von tierischen Produkten, nicht frei von kapitalistischen Auswüchsen (Profitgier, Verschwendung von Ressourcen, miese Arbeitsbedinungen, etc) und wo wenn nicht innerhalb einer „Szene“, die immernoch aus einer linkspolitischen,antikapitalistischen und solidarischen Ecke entstand, sollte man so etwas besonders diskutieren? Die Vorteile einer solchen „veganen Etablierung“ sind nicht zu übersehen, trotzdem gilt eben nicht immer nur und ausschließlich „Hauptsache vegan/für die Tiere“. Zudem muss den Laden nicht boykottieren, um etwas Kritik üben zu dürfen.

  • fraujule.blogspot.de

    früher waren veganer denkende menschen (zumindest die meisten). nun wird vegan ein trend. sicherlich hat das eine menge gute seiten, doch irgendwie ist das auch nur der halbe weg. spätestens seit ein gewisser herr h. vegan als das geheimrezept für einen „fancy body“ deklariert und im selben atemzug für lederschuhe wirbt, frage ich nach dem warum?
    im veganz war ich auch schon und muss sagen, dass ich das meiste davon eigentlich nicht brauche. fleischersatz fand ich schon immer eklig und vom käse bin ich nach über 7 jahren auch einfach weg. hin und wieder gerne, aber nicht mit der präsenz in meinem kühlschrank, wie bei vegetariern oder allesessern.

    nett fände ich, wenn das geheimrezeot für „fancy body“ oder der veganz es leuten erleichtern würde ernsthaften zugang zum thema zu finden.

  • Franziska

    Veganz ist halt vegane Ernährung nach dem Supermarktprinzip. Das bedeutet aber auch, nicht groß zu hinterfragen, wo die Produkte herkommen, wer sie produziert, wie ihre CO2-Bilanz ist, wie sie angebaut werden. Veganz hat das vegane Sortiment, das ich auch im Bioladen oder Reformhaus problemlos bekommen kann, plus Fertigprodukten, die aus USA, Australien oder sonstwoher geschippert werden. Bio sind die dann häufig nicht, und die Inhaltsstoffe sind auch nicht gerade gesund (Tapiokastärke, Canola Oil, Aroma- und Zusatzstoffe…). Fair gehandelt auch nicht. Das ist für mich Ausdruck einer Ein-Punkt-Politik, eines veganen, konsumorientierten Lebensstils. Ein Stück weit ist das ein ganz normaler Ausdifferenzierungsprozess, wenn eine Subkultur sich gesellchaftlich normalisiert. Mein Lebensstil wäre das aber nicht: ich ernähre mich lieber regional, fair und vegan, das ist überhaupt nicht schwierig, und dafür brauche ich keinen Veganz.

    • Yuri

      Was ist denn an Rapsoel ungesund?

      • Paula

        das frage ich mich auch!